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HISTORISCHE KRIMINALITÄTSFORSCHUNG

Arbeitskreis >  Bibliografie >  Ergänzungen

Ergänzungen

Ergänzungen zur Bibliographie in Gerd Schwerhoff: "Aktenkundig und gerichtsnotorisch", Tübingen 1999

 

Die nachfolgende knapp kommentierte Bibliographie führt einige der wichtigsten Neuerscheinungen zur Kriminalitätsgeschichte (im weitesten Sinne) aus den Jahren 1999 bis 2001 auf. Außerdem enthält sie ältere, bisher "unterschlagene" Titel. Es handelt sich im wesentlichen um deutsche bzw. deutschsprachige Forschungen; sie betreffen bis auf einzelne Ausnahmen die im Buch behandelte Zeitspanne vom späteren Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert. Vollständigkeit kann dabei nicht angestrebt werden. Einzelaufsätze aus Sammelbänden werden nicht separat aufgeführt. Kritik und Hinweise auf weitere Titel sind willkommen!

Demnächst wird es diese Ergänzung als pdf-Dokument zum herunterladen geben.

Hinzuweisen ist zunächst auf einen neu erschienen, jedoch bereits seit längerem fertiggestellten Forschungsbericht:

EIBACH, Joachim: Recht - Kultur - Diskurs, in: Zeitschrift für Neuere Rechtsgeschichte 23 (2001), 102-120.

Einen wichtigen methodischen Aspekt behandelt

SCHEUTZ, Martin: Frühneuzeitliche Gerichtsakten als "Ego-Dokumente". Eine problematische Zuschreibung am Beispiel der Gaminger Gerichtsakten aus dem 18. Jahrhundert, in: Thomas WINKELBAUER: Vom Lebenslauf zur Biographie. Geschichte, Quellen und Probleme der historischen Biographik und Autobiographik. Referate der Tagung "Vom Lebenslauf zur Biographie" am 26. Oktober 1997 in Horn, Waidhofen/Thaya 2000, 99-134.

Nachzutragen bleibt eine bereits vor fast zehn Jahren erschienene Vorstellung einer zentralen Quellengattung aus zeithistorischer Sicht:

RUSINEK, Bernd A.: Vernehmungsprotokolle. "Wir haben sehr schöne Methoden (...)". Zur Interpretation von Vernehmungsprotokollen, in: Ders. (Hg.) u. a.: Einführung in die Interpretation historischer Quellen. Schwerpunkt: Neuzeit, Paderborn 1992, 111-132.

 

 

Vielfach hat die Kriminalitätsgeschichte an der traditionellen Rechtsgeschichte Kritik geübt. Gerade in jüngster Zeit erschienen jedoch zentrale Arbeiten, die von einem neuen Problembewusstsein und von internationaler wie interdisziplinärer Kooperation zeugen. Aus dem DFG Forschungsschwerpunkt "Entstehung des öffentlichen Strafrechts" entstammen die beiden folgenden Sammelbände:

WILLOWEIT, Dietmar (Hg.): Die Entstehung des öffentlichen Strafrechts. Bestandsaufnahme eines europäischen Forschungsproblems, Köln 1999

SCHLOSSER, Hans/Dietmar WILLOWEIT (Hg.): Neue Wege strafrechtsgeschichtlicher Forschung, Köln 1999

Ebenfalls interdisziplinär angelegt ist der Sammelband:

JEROUSCHEK, Günter u.a. (Hg.): Bendedict Carpzov. Neue Perspektiven zu einem umstrittenen sächsischen Juristen, Tübingen 2000

Rechtshistorisch angelegt ist schließlich auch das sehr knappe, dabei notwendigerweise verkürzende, aber jedenfalls nützliche Büchlein von

KRAUSE, Thomas: Geschichte des Strafvollzugs. Von den Kerkern des Altertums bis zur Gegenwart, Darmstadt 1999.

Ein etabliertes und jetzt auch "vernetztes Feld ist die Reichskammergerichtsforschung

(http://home.t-online.de/home/bernhard.ruthmann/seite3.htm). Zu den Neuerscheinungen der letzten Zeit zählen z. B.

SELLERT, Wolfgang (Hg.): Reichshofrat und Reichskammergericht. Ein Konkurrenzverhältnis, Köln 1999

BAUMANN, Anette: Die Gesellschaft der Frühen Neuzeit im Spiegel der Reichskammergerichtsprozesse. Eine sozialgeschichtliche Untersuchung zum 17. und 18. Jahrhundert, Köln 2001

"Klassische" Themen der Rechtsgeschichte erleben zur Zeit eine Art Revival unter veränderten Fragestellungen. Das gilt z. B. für das Problem der rechtlichen Befragungstechniken, insbesondere der Folter:

ESDERS, Stefan/ Thomas SCHARFF (Hg.): Eid und Wahrheitssuche: Studien zu rechtlichen Befragungstechniken in Mittelalter und früher Neuzeit, Frankfurt a. M. 1999

BURSCHEL,Peter u.a. (Hg): Das Quälen des Körpers. Eine historische Anthropologie der Folter, Köln 2000

Das bedeutet natürlich nicht, dass die Rechtsgeschichte zu diesem Thema nichts mehr zu sagen bzw. schreiben hätte:

JEROUSCHEK, Günter: Thomasius und Beccaria als Folterkritiker. Überlegungen zum Kritikpotential im kriminalwissenschaftlichen Diskurs der Aufklärung, in: ZStW 110 (1998), 658-673

Ders.: "Mit aller Schärpffe angegriffen undt gemartert". Überlegungen zur Folter als Institut des gemeinrechtlichen Strafverfahrens, in: Jost Hausmann (Hg.): "Zur Erhaltung guter Ordnung" : Beiträge zur Geschichte von Recht und Justiz. Festschrift für Wolfgang Sellert zum 65. Geburtstag, Köln 2001, 351-371

Nach wie vor ein Brennpunkt ist die Erforschung der Normen und die Debatte um deren Stellenwert und Umsetzung. Im Spätmittelalter geht es vor allem um städtische Statuten:

DRIEVER, Rainer: Obrigkeitliche Normierung sozialer Wirklichkeit. Die städtischen Statuten des 14. und 15. Jahrhunderts in Südniedersachsen und Nordhessen, Bielefeld 1999

Vor allem zur frühneuzeitlichen Policeygesetzgebung sind eine Reihe zentraler Arbeiten herausgekommen. "Policey"-Chef Karl Härter edierte einen wichtigen Sammelband und wog die Argumente für und gegen die Sozialdisziplinierung:

HÄRTER, Karl (Hg.): Policey und frühneuzeitliche Gesellschaft, Frankfurt a. M. 2000.

HÄRTER, Karl: Sozialdisziplinierung durch Strafe? Intentionen frühneuzeitlicher Policeyordnungen und staatlicher Sanktionspraxis, in ZHF 26 (1999), 365-379

Ders: "... zum Besten und Sicherheit des gemeinen Weesens..." Kurkölnische Policeygesetzgebung während der Regierung des Kurfürsten Clemens August, in: ZEHNDER, Frank-Günter (Hg.): im Wechselspiel der Kräfte. Politische Entwicklung des 17. und 18. Jahrhunderts in Kurköln, Köln 1999, 203-235

Auch von anderer Seite kam ein gewichtiger empirischer wie methodischer Beitrag zur Debatte:

LANDWEHR, Achim: Policey im Alltag. Die Implementation frühneuzeitlicher Policeyordnungen in Leonberg, Frankfurt/M. 1999

Ders.: "Normdurchsetzung" in der Frühen Neuzeit? Kritik eines Begriffs, in: ZFG 48 (2000), 146-162

Zum engeren Feld der Kriminalitätsgeschichte erschienen im vergangenen Jahr zwei umfangreiche Sammelbände. Der eine vereinigt Studien, die zum großen Teil dem Stuttgarter Arbeitskreis zur historischen Kriminalitätsgeschichte entstammen; der andere enthält die Beiträge einer internationalen Tagung, die zur Vorbereitung eines demnächst erscheinenden englischsprachigen Handbuchs zur Geschichte der sozialen Kontrolle in Europa diente:

BLAUERT, Andreas/Gerd SCHWERHOFF (Hg.): Kriminalitätsgeschichte. Beiträge zur Sozial- und Kulturgeschichte der Vormoderne, Konstanz 2000 (das Inhaltsverzeichnis ist abrufbar unter www.uvk.de)

SCHILLING, Heinz (Hg.): Institutionen, Instrumente und Akteure sozialer Kontrolle und Disziplinierung im frühneuzeitlichen Europa, Frankfurt a. M. 2000.

Weiterhin sind zwei Sammelbände anzuzeigen, die sich epochenübergreifend mit interessanten Einzelaspekten im Umfeld von Kriminalität und Justiz befassen:

DINGES, Martin/Fritz SACK(Hg.): Unsichere Großstädte? Vom Mittelalter bis zur Postmoderne, Konstanz 2000 (das Inhaltsverzeichnis ist abrufbar unter www.uvk.de)

ROSS, Friso/Achim LANDWEHR (Hg.): Denunziation und Justiz. Historische Dimensionen eines sozialen Phänomens, Tübingen 2000

Eine - in der Kriminalitätsforschung immer noch seltene - diachrone Perspektive nimmt auch die folgende Monographie ein, die den Wandlungen von Kriminalität und Justiz im Spiegel einer bestimmten Quellengattung nachspürt:

BLAUERT, Andreas: Das Urfehdewesen im deutschen Südwesten im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit, Tübingen 2000.

Wichtige Veröffentlichungen beschäftigen sich mit der Geschichte der Todesstrafe. Das magistrale Werk von Richard J. Evans (engl. 1997) liegt mittlerweile in deutscher Übersetzung vor. Erschienen ist daneben die Fallstudie seines Kritikers Jürgen Martschukat:

EVANS, Richard J.: Rituale der Vergeltung. Die Todesstrafe in der deutschen Geschichte, 1582-1987, Berlin 2001

MARTSCHUKAT, Jürgen: Inszeniertes Töten. Eine Geschichte der Todesstrafe vom 17. bis zum 19. Jahrhundert, Köln 2000

Ders.: Ein Freitod durch die Hand des Henkers. Erörterungen zur Komplementarität von Diskursen und Praktiken am Beispiel von "Mord aus Leben-Überdruß" und Todesstrafe im 18. Jahrhundert, in: ZHF 27 (2000), 54-74

Einige der Neuerscheinungen lassen sich nach ihrem epochespezifischen Schwerpunkt einordnen. War die Antike auch aus der Darstellung des Buches ausgeschlossen, so sei doch en passent ein Buch zur römischen Geschichte angeführt:

ERMANN, Joachim: Strafprozess, öffentliches Interesse und private Strafverfolgung. Untersuchungen zum Strafrecht der römischen Republik, Köln 2000.

Im Spätmittelalter bzw. am Übergang zur Frühen Neuzeit sind wichtige Fallstudien angesiedelt. Neben der bereits im Buch angeführten Arbeit von Peter Schuster ist vor allem das vielgelobte Buch von Frank Rexroth zu erwähnen, das auch die Rolle des Straf- und Herrschaftsapparates bei der Stigmatisierung von Randgruppen beleuchtet. Carl Hoffmann, der ein monographische Darstellung des Augsburger Strafrechts vorbereitet, wirft einen Blick auf das benachbarte Nördlingen.

SCHUSTER, Peter: Eine Stadt vor Gericht. Recht und Alltag im spätmittelalterlichen Konstanz, Paderborn 1999

REXROTH, Frank: Das Milieu der Nacht. Obrigkeit und Randgruppen im spätmittelalterlichen London, Göttingen 1999

HOFFMANN, Carl A.: Entwicklungstendenzen reichsstädtischer Strafgerichtsbarkeit vom 15. zum 16. Jahrhundert. Das Beispiel Nördlingen, in: Historischer Verein für Nördlingen und das Ries. 29. Jahrbuch 1999, 125-152

Besonders erfreulich ist die Tatsache, dass einige Publikationen sich mit der Übergangszeit vom Ancien Régime zur Moderne beschäftigen, was insbesondere für die Monographie von Regula Ludi gilt, während die Beiträge des Sammelbandes von Berding u.a. doch wiederum entweder diesseits oder jenseits der Sattelzeit angesiedelt sind.

BERDING, Helmut/Diethelm KLIPPEL/Günther LOTTES(Hg.): Kriminalität und abweichendes Verhalten: Deutschland im 18. und 19. Jahrhundert, Göttingen 1999.

LUDI, Regula: Die Fabrikation des Verbrechens. Zur Geschichte der modernen Kriminalpolitk 1750-1850, Tübingen 1999

REGENER, Susanne: Fotografische Erfassung. Zur Geschichte medialer Konstruktionen des Kriminellen, München 1999

Eine besondere Erwähnung verdient in diesem Zusammenhang die Arbeit von Norbert Schindler über die Wilderei - wie immer ein sehr "dichtes" Stück historischer Anthropologie:

SCHINDLER, Norbert: Wilderer im Zeitalter der Französischen Revolution. Ein Kapitel alpiner Sozialgeschichte, München 2001

Ders.: The Mill at Bluntau: a family of Poachers in the Late Eighteenth Century Salzburg Countryside, in: German History. The Journal of the German History Society 17 ( 1999), 57-89

Von einzelnen Epochen zu einer bestimmten Region. Österreichische Arbeiten zur Kriminalitätsgeschichte sind in meinem Überblick sträflich unterrepräsentiert. Einen guten Einblick dazu erhält man in dem Forschungsbericht von Gerhard Ammerer, jetzt aber vor allem durch den entsprechenden Abschnitt (42-63) in der dicken Studie von Martin Scheutz. Hier wird deutlich, dass die österreichische Kriminalitätsforschung zunehmend produktiv wird - neben der Arbeit von Scheutz legen auch diejenigen von Maria Heidegger und Andrea Griesebner davon Zeugnis ab.

AMMERER, Gerhard: Aufgeklärtes Recht, Rechtspraxis und Rechtsbrecher - Spurensuche nach einer historischen Kriminologie in Österreich, in: Ders./Hanns HAAS(Hg.): Ambivalenzen der Aufklärung. Festschrift für Ernst Wangermann, Wien 1997, 101-138

HEIDEGGER, Maria: Soziale Dramen und Beziehungen im Dorf. Das Gericht Laudegg in der frühen Neuzeit - eine historische Ethnographie, Innsbruck 1999

GRIESEBNER, Andrea: Konkurrierende Wahrheiten. Malefizprozesse vor dem Landgericht Perchtoldsdorf im 18. Jahrhundert, Wien 2000

SCHEUTZ, Martin: Alltag und Kriminalität. Disziplinierungsversuche im steirisch-österreichischen Grenzgebiet im 18. Jahrhundert, München 2001.

 

 

Kommen wir zu einzelnen Delikten. Nach wie vor scheint die Kindstötung hier eine besondere Stellung einzunehmen, allein schon wegen der puren Zahl an Veröffentlichungen. Die Auflistung sei mit den Arbeiten einer Autorin begonnen, die bisher schmählich übergangen wurde, und mit der Publikation zu dem paradigmatischen Fall in Deutschland überhaupt abgeschlossen :

MICHALIK, Kerstin: Vom "Kindsmord" zur Kindstötung - Hintergründe der Entwicklung des Sondertatbestandes der Kindstötung (§ 217) im 18. und 19. Jahrhundert, in: Feministische Studien 1 (1994), S. 44-55

Dies.: Kindsmord - Sozial- und Rechtsgeschichte der Kindstötung im 18. und beginnenden 19. Jahrhundert am Beispiel Preußen, Pfaffenweiler 1997

Dies.: Die Diskussion um die Kindstötung. Kindsmordprävention im Spannungsfeld von Bevölkerungspolitik, Strafrechtsreform und bürgerlicher Selbstinszenierung, in: Anne Conrad u.a. (Hg.): Das Volk im Visier der Aufklärung. Studien zur Popularisierung der Aufklärung im späten 18. Jahrhundert, Hamburg 1998, 143-161

LACOUR, Eva: Bemerkungen zu Kindstötungen in der frühen Neuzeit im Kurfürstentum Trier und der Grafschaft Virneburg unter Hinzuziehung von fünf Vergleichsfällen aus benachbarten Territorien, in: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte 22 (1996), 179-195.

AMMERER, Gerhard: "Die steinerne Agnes" - Eine Sage und ihr Motiv: Kindsmord, in: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 134 (1994), 339-363

Ders.: Kindsmord und Gerichtsmedizin in Österreich zur Zeit der Aufklärung, in: Österreichische Gesellschaft für Wissenschaftsgeschichte, Mitteilungen 15 (1995), 127-160.

HABERMAS, Rebekka unter Mitwirkung von Tanja HOMMEN (Hg.): Das Frankfurter Gretchen. Der Prozeß gegen die Kindsmörderin Susanna Margaretha Brandt, München 1999.

Unter der heterogenen Überschrift "Sexualdelikte" sei auf einen bereits älteren Aufsatz von Gerhard Ammerer, auf eine (rechtshistorische?) Arbeit zur Abtreibung und eine diskursgeschichtliche Studie zur (Ent-)Kriminalisierung der Homosexualität aufgeführt. Dass die Rubrizierung unter "Sexualität" nicht verdecken sollte, wie stark dieses Feld von Gewaltverhältnissen geprägt war, macht die Dissertation von Tanja Hommen deutlich, erfreulicherweise eine Arbeit, die im späten 19. Jahrhundert angesiedelt ist.

AMMERER, Gerhard: " ...als eine leiderliche Vettel mit einem ströhenen Kranz zweymal ofentlich herum geführet..." Zur pönalisierten Sexualität in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts anhand Salzburger Kriminalrechtsquellen, in: Daniela ERLACH (Hg.) u.a.: Privatisierung der Triebe? Sexualität in der frühen Neuzeit, Frankfurt a. M. 1994, 111-150

MÜLLER, Wolfgang P.: Die Abtreibung. Anfänge der Kriminalisierung 1140 - 1650, Köln 2000

TAEGER, Angela: "Intime Machtverhältnisse". Moralstrafrecht und administrative Kontrolle der Sexualität im ausgehenden Ancien Régime, München 1999.

HOMMEN, Tanja: Sittlichkeitsverbrechen. Sexuelle Gewalt im Kaiserreich, Frankfurt/M. 1999

Das Phänomen der "Gewalt" steht im Mittelpunkt der Arbeiten von Eva Lacour, die neben ihrem empirischen Material als Psychologin interdisziplinäre Gesichtspunkte einbringt (u.a. den Ruf nach "mehr Kriminologie" in der historischen Kriminalitätsforschung!). Zum Thema Mord außerdem die Arbeit eines Mediävisten und eine literaturwissenschaftliche Studie.

LACOUR, Eva: Schlägereyen und Unglücksfälle. Zur historischen Psychologie und Typologie von Gewalt in der frühneuzeitlichen Eifel, Egelsbach 2000.

LACOUR, Eva: Gerichtsbarkeit und Kriminalität in der Grafschaft Vrineburg (16. bis 18. Jahrhundert), in: Jahrbuch für Westdeutsche Landesgeschichte 25 (1999), 284-304.

LACOUR, Eva: Kriminalität in den Grafschaften Manderscheid-Blankenheim und Manderscheid-Gerolstein, in. Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte, Germanistische Abteilung 117 (2000), 518-549

HEINIG, Paul-Joachim: Fürstenmorde. Das europäische (Spät-)Mittelalter zwischen Gewalt, Zähmung der Leidenschaften und Verrechtlichung in: Ders. u.a. (Hg.): Reich, Regionen und Europa in Mittelalter und Neuzeit. Festschrift für Peter Moraw, Berlin 2000

WEILER, Inge: Giftmordwissen und Giftmörderinnen. Eine diskursgeschichtliche Studie. Tübingen 1998 (Eine online-Rezension von Moritz Baßler findet sich unter:

iasl.uni-muenchen.de/rezensio/liste/bassler.htm)

Was das Thema "Religion und Sündenzucht" angeht, so hat Heiner Schmidt neben einer knappen Zusammenfassung seiner zentralen Arbeit in Kooperation eine weitere Fallstudie vorgelegt. Carl Hoffmann untersucht Konfessionskonflikte in Augsburg:

SCHMIDT, Heinrich R.: Über die Tätigkeit von Berner Chorgerichten 1540-1800, in: FRIESS, Peer/Rolf KIESSLING (Hg.): Konfessionalisierung und Religion, Konstanz 1999, 275-316

SCHMIDT, Heinrich R./Thomas BRODBECK: Davos zwischen Sünde und Verbrechen. Eine Langzeitstudie über die Tätigkeit der geistlichen und weltlichen Gerichtsbarkeit (1644-1800), in: Jahrbuch 1997/98 der Historischen Gesellschaft von Graubünden, 145-183

HOFFMANN, Carl A.: Konfessionell motivierte und gewandelte Konflikte in der zweiten Hälfte des 16.Jahrhunderts - Versuch eines mentalitätsgeschichtlichen Ansatzes a, Beispiel der bikonfessionellen Reichsstadt Augsburg, in: Peer FRIESS, Rolf KIESSLING (Hg.), Konfessionalisierung und Region, Konstanz 1999, 99- 120

Ein lange vernachlässigtes Thema ist die Wirtschaftskriminalität. Neben der Veröffentlichung von Mark Häberlein ist auch auf die von ihm und Christof Jeggle organisierte Sektion über "Konflikte um wirtschaftliches Handeln" auf dem Treffen der Stuttgarter Kriminalitätshistoriker 2001 zu verweisen:

HÄBERLEIN, Mark: Wirtschaftskriminalität und städtische Ordnungspolitik in der frühen Neuzeit. Augsburger Kaufleute als Münzhändler und Falschmünzer, 1520-1620, in: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 6 (1998), 699-739.

Schließlich stimmt optimistisch, dass aus kriminalitätshistorischer Perspektive auch etwas zu einem körpergeschichtlichen Gemeinschaftsprojekt beigetragen werden konnte:

KLEINSCHMIDT, Stefan: "ein fast abgemergelten man, der nunmehr uf seiner gruben gehet". Der kranke Körper als Begnadigungsinstrument, in: BIELEFELDER GRADUIERTENKOLLERG SOZIALGESCHICHTE (Hg.): Körper macht Geschichte. Geschichte macht Körper. Körpergeschichte als Sozialgeschichte, Bielefeld 1999, 222-247

Zuletzt sei auch an dieser Stelle auf die "Auswahlbibliographie zur Geschichte des Gefängnisses (18.-19. Jahrhundert)" von Falk BRETSCHNEIDER (Paris) verwiesen:

www.uni-leipzig.de .