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Die "Faszination Kriminalquelle" eint alle am Forschungsfeld Interessierten. Nur sehr bedingt kann man aber von der Kriminalitätsgeschichte als einem einheitlichen Arbeitsfeld sprechen. Wie verschieden die Themen und Schwerpunktsetzungen sind, erweist nicht zuletzt der Blick auf die bisherigen Arbeitskreistreffen. Neben Studien, die sich mit bestimmten Delikten wie Raubkriminalität, Wilderei, Gewalt, Mord, Blasphemie etc. beschäftigen, existieren solche, die Justiz und Kriminalität in einer bestimmten Region in ihrer ganzen Breite zu erfassen suchen. Methodische und theoretische Beiträge stehen empirisch ausgerichteten Werkstattberichten über die Arbeit mit einer bestimmten Quellengruppe gegenüber. Vorträge, die langfristigen Entwicklungstrends nachspüren, finden sich ebenso wie Mikrostudien, die detailliert die Geschichte einer Gemeinde, einer Familie oder gar die Biographie einer Person rekonstruieren. Nur ein Teil der mit Gerichtsakten arbeitenden Forscher(innen) beschäftigt sich dabei mit Kriminalität im engeren Sinn; ein anderer nutzt Gerichtsakten in einem viel weiteren Sinn als Sonde zur Erforschung vergangener Lebenswelten. Beeinflußt durch die neuere kulturhistorische Debatte in der historischen Zunft, werden quantifizierende Verfahren mit deutlicher Zurückhaltung bzw. immer im Zusammenhang mit hermeneutisch-interpretativen Zugangsweisen verwendet.
Zeitlich blieb der Arbeitskreis auf die "alteuropäische" Epoche der Geschichte, also auf die Zeit vom Spätmittelalter bis zum Ausgang des Ancien Régime beschränkt, wobei die meisten Arbeiten der Frühneuzeit im engeren Sinn gewidmet sind. Das hat ebenso mit den Wurzeln des Arbeitskreises in der Hexenforschung zu tun wie mit der Tatsache, daß kriminalitätsgeschichtliche Forschungen zum 19. und 20. Jahrhundert bis heute selten geblieben sind. Was den organisatorischen Rahmen angeht, blieb der Stuttgarter Arbeitskreis ein vergleichsweise unaufwendiges und bescheidenes Unternehmen. Auf die Einwerbung von Zuschüssen wurde bewußt verzichtet, ebenso auf die Formulierung eines allzu einengenden Tagungstitels - Maßnahmen, die einen höheren Grad an Formalisierung, Institutionalisierung und möglicherweise eine Selektion des Teilnehmerkreises erforderlich gemacht hätten. Auch wenn die letzten Tagungen zum Teil thematisch gegliederte Sektionen enthielten, um Diskussionen zu bündeln, sollen die jährlichen Treffen auch in Zukunft als offene Foren des Austauschs dienen, wo laufende Arbeiten in Form von Werkstattberichten vorgestellt werden können. |
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